LST – Techniken zum Formen und Trainieren von Pflanzen

Wie lässt sich die Form von Pflanzen einfach beeinflussen, um möglichst viel aus ihnen herauszuholen? Durch die richtige Formgebung können Sie auch auf kleiner Fläche eine reiche Ernte erzielen. Wir haben für Sie einen Überblick über die beliebtesten Techniken zusammengestellt, die sowohl von Hobby-Growern als auch von professionellen Anbauern verwendet werden.

Erfahrene Anbauer wissen, dass der Ertrag nicht nur von Genetik oder Nährstoffversorgung abhängt. Auch die Struktur der Pflanze spielt eine entscheidende Rolle. Techniken wie Supercropping, Schwazzing oder ScrOG ermöglichen es, das Wachstum gezielt anzupassen, die Effizienz der Beleuchtung zu steigern und deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen. Sehen wir uns noch einmal an, wie sie funktionieren und wann sie eingesetzt werden.

Topping: Triebspitzen beschneiden

Eine grundlegende Technik, die jeder Anbauer beherrschen sollte. Dabei werden die Triebspitzen der Pflanzen einfach beschnitten, damit sich die Pflanze an dieser Stelle verzweigt. Die meisten Anbauer beschneiden ihre Pflanzen zum ersten Mal, sobald sie drei Etagen echter Blätter haben, mit Ausnahme bestimmter Anbauweisen (z. B. SoG). Nach dem Beschneiden wachsen aus dem Hauptstamm zwei neue Triebspitzen, und die vier Seitentriebe eine Etage darunter wachsen schneller. Die Pflanze sollte dadurch sechs neue Triebspitzen in ungefähr gleicher Höhe haben.

Sie können die Pflanzen auch mehrmals beschneiden, jedoch nur während der vegetativen (Wachstums-)Phase. Nach dem Wechsel in die Blüte würden Sie sich durch das Entfernen der Triebspitzen lediglich um künftige Blütenstände bringen. Je öfter Sie die Pflanzen beschneiden, desto buschiger werden sie.

Fimming: Triebspitzen auskneifen

Eine Technik zum Auskneifen der Triebspitzen, von der behauptet wird, dass sie durch ein unglückliches Missgeschick entstanden ist und daher auch ihren englischen Namen F*** I Missed trägt. Beim Fimming werden die Spitzen der Triebe so beschnitten, dass ungefähr 20 % an der Pflanze verbleiben. Bei erfolgreichem Auskneifen bildet die Pflanze statt zwei vier oder mehr neue Triebspitzen, die eng beieinander liegen. Das Ergebnis sind niedrige Pflanzen mit dicht beieinanderliegenden Blütenständen und hohem Ertrag.

Defoliation: Blätter entfernen

Blätter sind der Ort, an dem die Fotosynthese stattfindet, und für Pflanzen unverzichtbar. Dennoch entfernen die meisten Anbauer regelmäßig Blätter von ihren Pflanzen. In der Regel tun sie das, um die Durchlässigkeit des Bestands für Licht und Luft zu verbessern, wodurch sie Schimmel vorbeugen und die Erträge steigern. Mit der Defoliation darf man es jedoch nicht übertreiben, und es ist wichtig zu wissen, wann und welche Blätter entfernt werden sollten.

Während der vegetativen Phase: Unter Anbauern ist der Mythos verbreitet, dass das Entfernen großer Blätter den Pflanzen dabei hilft, ihre Energie in die Bildung neuer Triebspitzen zu lenken. Tatsächlich wird dadurch das Wachstum verlangsamt. Entfernen Sie während der Wachstumsphase daher nur Blätter, die die unteren Zweige beschatten, in das Innere der Pflanze wachsen, das Substrat berühren oder im Schatten liegen. Entfernen Sie außerdem vergilbte oder vertrocknete Blätter.

Während der Blüte: Obwohl Pflanzen auch während der Blüte Blätter benötigen, trägt eine vorsichtige Defoliation zu einem besseren Mikroklima bei und beugt Schimmel vor. Vor allem beim Indoor-Anbau ist es sinnvoll, die Blätter an den untersten Etagen zu entfernen, die kein Licht abbekommen. Entfernen Sie ebenso größere Blätter, die die heranreifenden Blütenstände beschatten. Je näher die Ernte rückt, desto regelmäßiger sollten Sie auch vergilbte und vertrocknende Blätter entfernen.

Schwazzing: Extreme Defoliation

Blätter, die ausreichend Licht erhalten, betreiben Fotosynthese und bilden Kohlenstoff, der den übrigen Pflanzenteilen als Zuckerquelle dient. Beschattete Blätter speichern dagegen Kohlenstoff und betreiben nur minimal Fotosynthese. Deshalb hilft das Entfernen beschatteter Blätter den Pflanzen, den verfügbaren Kohlenstoff besser zu nutzen, und führt zu höheren Erträgen.

Schwazzing ist eine von J. Haupt im Buch „Three A Light“ popularisierte Methode, bei der die Pflanzen während der ersten drei Blütewochen wiederholt extrem entlaubt werden. Das Ergebnis sind niedrigere Pflanzen mit langen Blütenständen, auch an den unteren Zweigen.

So geht’s: Entfernen Sie am ersten Blütetag alle großen (fächerförmigen) Blätter. Dadurch verbessern Sie nicht nur die Durchlässigkeit der Krone, sondern zwingen die Pflanzen auch, sich auf die Entwicklung neuer Blätter statt auf die Verlängerung der Stängel zu konzentrieren. Sie bleiben dadurch kompakter und schießen nicht so stark in die Höhe. Denken Sie daran, dass Ihre Pflanzen durch das Entfernen der großen Blätter einen beträchtlichen Nährstoffvorrat verloren haben. Erhöhen Sie während der folgenden zehn Tage die Nährstoffmenge um etwa 20 % und verwenden Sie dabei eine Rezeptur mit einem höheren Anteil an Phosphor und Kalium (Blütedünger).

Führen Sie die zweite Entlaubung am 20. Tag der Blütephase durch und entfernen Sie erneut nur die großen Blätter. Achten Sie darauf, die entstehenden Blüten nicht zu beschädigen. In der dritten Blütewoche hat die Pflanze die Phase der Stängelverlängerung bereits hinter sich, und dank des ersten Beschneidens sollten die Knospen eng beieinander wachsen. Nach dem zweiten Beschneiden entwickeln sich die Blüten dicht nebeneinander, wodurch lange Blütenstände entstehen. Ein weiterer Vorteil des Schwazzings besteht darin, dass die unteren Zweige im Gegensatz zur traditionellen Vorgehensweise nicht beschnitten werden müssen, da sie dank des Fehlens von Blättern ausreichend Licht erhalten und Sie auch dort schöne Blüten ernten können.

ScrOG: In Netze einflechten

Screen of Green (ScrOG) ist eine Technik, bei der Pflanzen mithilfe eines Netzes oder Gitters in eine horizontale Ebene geformt werden. Das bietet unzählige Vorteile, insbesondere beim Indoor-Anbau unter künstlicher Beleuchtung. Wenn Sie Ihre Pflanzen nämlich unbeachtet wachsen lassen, wachsen sie immer stärker in die Höhe als in die Breite. Der Haupttrieb befindet sich dadurch zu nah an der Growlampe, während die Triebspitzen in den unteren Etagen zu wenig Licht erhalten. Ziel des Einflechtens in ein Netz ist es, eine gleichmäßige Fläche aus Triebspitzen zu schaffen, die alle ein Maximum an Energie von den Leuchten erhalten.

So geht’s: Platzieren Sie ein Stütznetz in einer Höhe von 20–30 cm über der Basis der Pflanze. Beginnen Sie mit dem Einflechten der Triebspitzen, sobald sie 5 cm über die Maschen des Netzes hinausgewachsen sind. Führen Sie die Haupttriebe nach und nach in alle Richtungen. Sobald das Netz nahezu vollständig ausgefüllt ist, leiten Sie die Blüte ein und setzen Sie das Einflechten in den folgenden zwei bis drei Wochen fort, bis die volle Blüte einsetzt und die Pflanzen nicht mehr weiter in die Höhe wachsen.

LST: Stängel biegen

LST (Low Stress Training) ist eine schonende Methode zur Formgebung von Pflanzen, bei der die Zweige langsam gebogen und befestigt werden. Das Biegen von Stängeln lässt sich auf vielfältige Weise einsetzen – vom Auseinanderziehen der Krone und dem Freilegen der unteren Zweige für das Licht bis hin zum Formen fotogener Bonsai-Pflanzen. Gegebenenfalls können durch Biegen auch zu groß geratene Pflanzen in einer frühen Blütephase korrigiert werden.

So geht’s: Beginnen Sie mithilfe von weichem Bindedraht, Schnüren oder Kunststoffklammern, den Hauptstamm und später auch die Seitentriebe nach außen, weg von der Mitte der Pflanze, zu biegen. Dadurch legen Sie mehr Blattfläche für das Licht frei und fördern das Wachstum neuer Triebe. Führen Sie LST ausschließlich während der vegetativen Phase und in den ersten Blütewochen durch, solange die Stängel noch biegsam sind.

Supercropping: Stängel brechen

Supercropping ist eine Technik, bei der die innere Struktur des Stängels gezielt beeinträchtigt wird, sodass er sich biegt, aber nicht bricht. Die Pflanze reagiert auf den Stress, indem sie die beschädigte Stelle verstärkt und an anderen Stellen intensiver wächst. Das Brechen von Stängeln gehört zu den fortgeschrittenen Techniken und erfordert eine sichere Hand.

So geht’s: Wählen Sie während der Wachstumsphase einen biegsamen Stängel aus und drücken und massieren Sie ihn vorsichtig zwischen den Fingern, bis er leicht nachgibt. Biegen Sie den Trieb anschließend in die gewünschte Richtung. Wenn der Zweig nicht in der neuen Position bleiben will, befestigen oder stützen Sie ihn. Innerhalb weniger Tage bildet die Pflanze an der beschädigten Stelle verdickte Gelenke.

Die Formgebung ist ein Weg zu besseren Ergebnissen, ohne dass Sie die Nährstoffversorgung oder Beleuchtung verändern müssen. Beginnen Sie mit einfachen Techniken wie Topping oder LST und entdecken Sie nach und nach, was für Ihre Pflanzen am besten geeignet ist.

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